Vorwort

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Diese Webseite ist in der Absicht entstanden, einen Einblick in die verschiedenen Malstile und Themen der lankischen Klostermalerei zu bieten, deren reichhaltige und bis heute fortgeführte Tradition für die vergangenen drei Jahrhunderte nur zu einem kleinen Teil dokumentiert ist. Das hier gezeigte Bildmaterial ist während zahlreicher Aufenthalte in Lanka entstanden und wird hiermit erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

In der Regel befinden sich die Malereien in dem Gebäude der Klosteranlage, das dem Buddha Gautama geweiht ist (Buddha-Tempel), manchmal auch in der Predigthalle.
Die Themen dieser Wandmalereien sind bis in die Gegenwart der schriftlich fixierten buddhistischen Überlieferung entlehnt, insbesondere der Biographie des Buddha Gautama, den Berichten über seine Vorgeburten als Bodhisatva usw.

Die bildnerischen Gestaltungen zur Buddhabiografie erfolgen gewöhnlich mithilfe von mehreren Bildzyklen:

1. Die in fast allen Buddha-Tempeln präsentierte erste Serie von Bildern zeigt zu Beginn entweder das Zusammentreffen des brahmanischen Asketen Sumedha mit dem Buddha Dipankara (der ihm die Wiedergeburt als der zukünftige Buddha Gautama prophezeit, nachdem Sumedha bereits im Geiste den Entschluss gefasst hatte, ein Buddha zu werden und so zu einem Bodhisatva geworden war), oder den Entschluss des Bodhisatva zur letzten Wiedergeburt (als Prinz Siddhartha) und endet mit der Darstellung von Gautamas Parinirvana und der Verteilung seiner Reliquien (buddhacaritaya), vgl. BUDDHACARITA VIDEO

2. Die zweite Reihe illustriert die Lehr- und Wanderjahre des Buddha (vas).

3. Die dritte Bildreihe schließlich bietet die malerische Interpretation der auf die Erleuchtung folgenden Siebenwochenphase (satsatiya).

4. In jüngerer Zeit ist ein weiterer Zyklus hinzugekommen, der die Liste der acht Bändigungen verbildlicht (damanaya).

Zwei weitere Bildreihen zeigen die der letzten Wiedergeburt vorangegangenen Existenzen des Buddha Gautama:

1. Die Abbildung der 24 früheren Buddhas (sūvisi-vivaraṇaya), die dem zukünftigen Buddha Gautama während seiner verschiedenen Vorgeburten die Geburt als ein Buddha prophezeien (hierzu eine traditionelle Visualisierung, in der die Berichte über die 24 früheren Buddhas sowie das Buddhacarita in einem detailreichen Bildstreifen gezeigt werden: SUVISIVIVARANA-BUDDHACARITA-VIDEO)

2. Ferner die Darstellung von Wiedergeburtsgeschichten (jātakaya), die von den früheren Existenzen des Buddha Gautama als Bodhisatva berichten. In den Malereien wird gewöhnlich als vorletzte Wiedergeburtsgeschichte das Vessantara-Jataka dargestellt, an die sich die letzte Wiedergeburt als Sohn des Königs Suddhodana anschließt, in der er als Prinz Siddhartha zum Buddha Gautama wird. Im Übrigen variiert die Auswahl der Jatakas von Tempel zu Tempel. Auch wenn die dargebotenen Jātakas heutzutage der Illustration der Vollkommenheiten (pāramitāva, vgl. z.B. die Veranschaulichung der zehn paramitas im Mahamangala Vihara) dienstbar gemacht werden, so sind auch Stimmen zu vernehmen, die insbesondere mit Blick auf die traditionellen und frühen Malereien auf das wenig vorteilhafte Frauenbild hinweisen, das in den für die Ausschmückung der Tempel ausgewählten Jātakas zum Vorschein kommt (z.B. Kusa-Jātaka, Andhabhuta-Jataka, Cullapaduma-Jataka, Sattubhasta-Jataka. Asatamanta-Jataka u.a.). Die dargestellten Jātakas können freilich aus sehr unterschiedlichen Perspektiven interpretiert werden. 

Der Fries mit den Abbildungen der 80 Arhats (rahat) bildet manchenorts den oberen Abschluss der Wandmalereien. Arhats werden nach ihrer menschlichen Existenz in das Nirvana eingehen und nicht wiedergeboren. Oftmals schmücken deren Abbilder auch die Wände des Sanktums, wo sich die Plastik bzw. die Skulptur des Buddha Gautama befindet. Alle 80 Bildnisse sind gleich gestaltet und können nur mittels der in den Beischriften angegebenen Namen bestimmten Arhats zugeordnet werden. Eine Ausnahme hiervon stellt der in Lanka überaus populäre Arhat Sivali dar, dessen Visualisierung – und zwar außerhalb der Bildreihe von den Arhats – einer festgelegten Ikonografie folgt: Er wird stets auf einem Sitzmöbel ruhend gezeigt, während er mit der rechten Hand in eine Almosenschale greift (hierzu weiter unten).

Insbesondere in den Buddha-Tempeln des 19./20. Jh. sind die unteren Register der Außenwände des Umganges mit den Illustrationen der buddhistischen Höllenorte (naraka) bemalt.

Darstellungen der Götterwelten (dēvalōka) finden sich sowohl an den Tempelwänden als auch an den Decken der Umgänge.

Die gleichförmig gestalteten Plastiken der 28 Buddhas (atavisi) sind gewöhnlich im Bereich des Bodhibaumes aufgestellt, also außerhalb des Buddha-Tempels. Diese sind beschriftet und können so bestimmten Buddhas zugeordnet werden.

Da die Buddha-Lehre Zuflucht bietet aber keine Hilfe für besondere und schwierige Lebenssituationen, gibt es in nahezu allen buddhistischen Klosteranlagen Plastiken und Malereien von hilfreichen Gottheiten, die zum Teil aus Indien bekannt sind: Vishnu, der den früher in allen Teilen Sri Lankas verehrten Gott Upulvan ersetzt hat, sowie der im Südwesten der Insel populäre vierarmige Karttikeya (gewöhnlich mit dem Ortsnamen Kataragama bezeichnet, wo sein Hauptschreins steht), und der 12-armige Skandakumara, der im Hochland von Kandy beheimatet ist, usw., vgl. DEVIYO VIDEO. Der allen buddhistischen Singhalesen geläufige Ausspruch budu saranayi devi pihitayi verdeutlicht, wie die Buddhisten das Nebeneinander von Buddha Gautama und den Gottheiten leben: Durch die Befolgung der buddhistischen Gebote (budu saranayi) erwerben diese Verdienste (pin/Pali puññā). Falls die Götter die Verdienste würdigen (puññānumodanā) gewähren sie den Buddhisten Unterstützung in ihren Anliegen (devi pihitayi). Bei den singhalesischen Christen lautet der Spruch budu saranayi jesu pihitayi. Überaus populär sind derzeit Rituale für die Göttin Pattini, die gewöhnlich außerhalb der Klosterbereiche stattfinden. In zahlreichen Dörfern sind in den letzten Jahren neue Pattini-Tempel entstanden. Auch Pattini ist eine „buddhistische“ Gottheit, die erst nach Würdigung des buddhistischen Verdienstes hilfreich ist.

In den Malereien des 18. bis 20. Jh. überwiegt die kontinuierende Darstellungsweise, wobei der Erzählstoff der Jatakas in meterlangen und in Register unterteilten Bildstreifen detailliert vorgestellt wird (vgl. die Darstellung des Vessantara-Jatakas in den Klosteranlagen JayasimharamaKasagale Vihara, Tunbodhi ViharaShailathalarama Vihara oder die des Ummagga-Jatakas im Ranvella Vihara). Diese vor allem im Südwesten des Landes in zahlreichen Klosteranlagen zu hoher Reife gelangte Kunst der kontinuierenden Wandmalerei findet zu Beginn des 20. Jh. mit der Verbreitung des Buchdrucks und farbiger Lithografien ihren Abschluss. 

Der Übergang zur Einzelbildmalerei, also etwa der Andeutung eines Jatakas anhand nur eines Bildes, erfolgt in mehreren Stufen und bringt eine breite Themenerweiterung mit sich, denn dort, wo die Tempelwände mit den Bildstreifen eines Jatakas bedeckt waren, steht der Einzelbildtechnik reichlich Fläche für die Darbietung weiterer Lehrinhalte zur Verfügung (vgl. Neue Entwicklungen in der Darstellung der paramita). Als Vorlagen für diese Einzelbilder dienten insbesondere die zu Beginn des 20. Jh. in Lanka beliebten buddhistischen Bilddrucke von Maligawage Sarlis.

Auch wenn sich die bildnerische Umsetzung dieser Themen im Laufe der Zeit verändert (vgl. beispielsweise die unterschiedliche Gestaltung des Kusa-Jatakas in den beiden Klöstern Gangatilaka [1860] und Svarna Shailabimbarama [1902] oder die malerischen Interpretationen der beiden Episoden Namensgebung und vier Ausfahrten aus dem Buddhacarita), so sind doch die für die Illustrationen herangezogenen literarischen Quellen im wesentlichen die gleichen geblieben. Die malerische Erschließung weiterer buddhistischer Texte, die sich etwa zur Thematisierung gegenwartsnaher Lebensverhältnisse eignen, ist zunehmend zu beobachten: Beispiele aus dem Wallfahrtszentrum Devinuvara (Matara): Moderne Malereien zum Dhammapada oder aus dem Buddha-Tempel von Gonapinuvela (Hikkaduva): Bilder zum Parabhavasutra.

Die ersten buddhistischen Bilddrucke.

Inspiriert von den Malereien und Buchillustrationen seines Mentors Richard Henricus, von christlicher Kirchenmalerei, den Theateraufführungen der indischen Parsen in Colombo und den älteren buddhistischen Tempelmalereien, leistete Maligawage Sarlis (1880-1955) Anfang des 20. Jh. einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung der Einzelbildmalerei in den buddhistischen Klosteranlagen von Lanka. Bekannt wurde Sarlis durch einige mit Malereien, Plastiken und Dioramen ausgeschmückte Tempel (vgl. Mahamangala Vihara oder Pujarama Vihara). Ein breites Publikum fand er allerdings erst durch seine in Deutschland gedruckten Lithographien buddhistischer Erzählstoffe (vgl. Lithographien von M. Sarlis). Noch heute werden Reproduktionen dieser Zeichnungen publiziert und vertrieben. Sie dienen weiterhin den Künstlern als Vorlage für die Ausgestaltung der Tempel. In unterschiedlichen DIN-A Formaten und mehreren Serien veröffentllicht, sind diese drei- oder viersprachig untertitelt, und zwar in Englisch, Singhalesisch, Birmanisch und Thai (Beispiel). Verschiedene kunstgeschichtliche und buddhistische Veröffentlichungen bieten eine Auswahl dieser Reproduktionen, insbesondere zum Buddhacarita (z. B. Vijayavardhana [²2008], Wijesuriya [1991]). Heute finden sich die noch verbliebenen Orginale verstreut über Klosteranlagen, Privathäuser und Antiquitätengeschäfte. Aufgrund des feuchttropischen Klimas in Lanka sind diese Lithographien nur in einem schlechten Zustand erhalten und werden bald zerfallen sein.

Weite Verbreitung fanden die überaus populären Lithographien mit dem Abbild des Arhat Sivali, das, so heißt es, eine glückliche Hand insbesondere in geschäftlichen Angelegenheiten verheißt und stets üppige Speisen verspricht.
In den buddhistischen Quellen (DPPN s.v. 2. Sīvalī Thera) wird berichtet, dass Sivali während einer früheren Existenz zur Zeit des Buddha Vipassi tausende Mönche mit Milchquark, Honig und Zucker speiste. In der Zeit des Buddha Gautama war der Mönch Sivali deswegen ein Garant dafür, dass während des Bettelgangs stets reichlich Nahrung gespendet wurde.
So verwundert es nicht, dass gegenwärtig in Lanka zahllose Abwandlungen von Sarlis Lithographien in den Blick fallen: Sivalis Bild schmückt nahezu jedes Geschäft an zentraler Stelle, oftmals auch an der Seite der hinduistischen Göttin Lakshmi. Tagtäglich reichlich Nahrung am Morgen und zur Mittagszeit erhoffen sich auch die Mönche von ihren Laienanhängern, weshalb sich in den meisten Mönchsquartieren ebenfalls eine Abbildung von Sivali findet (vgl. Bilder zur Sivali-Verehrung).

Sivali.Arhat

Sīvalī maha rahatan vahansē. Arhat Sivali.

Weitere Drucke zeigen Szenen aus der Lebensbeschreibung des Buddha Gautama sowie verschiedene Jatakas u.a.

Wie Henricus hatte auch Sarlis mehrere Schüler, unter denen A. S. Sodiris durch seine in Weligama erhaltenen Malereien und Plastiken besonders herausragt. Er ist zugleich der letzte Vertreter dieses von Henricus begründeten Malstils.
Einerseits sind wiederholt Stimmen zu vernehmen, die hinsichtlich dieser Malereien von einer dekadenten und dunklen Epoche innerhalb der langen Tradition buddhistischer Tempelmalerei sprechen (s. Wijesekera [1990: 131]), andererseits aber ist das Archaeological Department von Lanka zunehmend darum bemüht, diese Malereien des beginnenden 20. Jh. als schützenswert zu erachten.

 

Buddhistische Kunst in Lanka: Ein Überblick in Bildern.

Nachfolgend werden zunächst einige Tempel mit einer kleinen Auswahl von Malereien bzw. Plastiken vorgestellt. Ein kurzes Video verdeutlicht die Raumverhältnisse.
Es folgen mehrere Tempelinnenansichten, Gestaltungselemente (Decke, Torana), Plastiken, Bildelemente (Perahara, Kutschen) sowie Szenen aus der Geschichtsschreibung. Die anschließenden Seiten zeigen verschiedene Vorgeburtsgeschichten des Buddha Gautama, wobei jede Seite mehrere zeitlich auseinanderliegende Gestaltungen desselben Themas zeigt. Derart zusammengestellt sind auch die abschließenden Szenen aus der Biographie des Gautama.

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